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Die Rosa-Luxemburg-Straße gilt - noch - nicht als Berlins angesagte Shopping-Meile. Aber Avantgarde-Firmen suchen sich bekanntlich Wege abseits der ausgetretenen Pfade des Mainstreams, und so würde es uns nicht wundern, wenn die Gegend zwischen Alexanderplatz und Volksbühne demnächst als Berlins neuester Shopping-Tipp gehypt wird. Hier sind in letzter Zeit ein paar Läden origineller berliner Designer entstanden: Einer davon ist der Flagshipstore des Brillenlabels „Mykita“. Was so klingt wie eine Mischung aus japanischem Manga-Comic und der Internetpräsenz eines trendigen Kindergartens, ist in Wahrheit die Firmen-Neugründung aus der Brillenmarke "ic!berlin", die mit ihren ebenso robusten wie hauchdünnen Titanium-Gestellen den Brillenmarkt revolutioniert hat.

Wer?

Zwei der vier Gründer von Mykita sind Philipp Haffmans und Harald Gottschling, beide auch Mitgründer von ic!berlin. Warum es zum Bruch kam, ist für die Öffentlichkeit weniger interessant; Fakt ist jedoch, dass Mykita seiner "Mutterfirma" vom Trendfaktor her insgeheim schon den Rang abgelaufen hat. Und das trotz ungünstiger Startbedingungen, denn mit dem gleichen Produkt einer etablierten Marke zu konkurrieren verlangt schon eine Menge Können – sowohl im kreativen als auch im kaufmännischen Bereich. Philipp Haffmans und Harald Gottschling fingen gemeinsam mit Moritz Krüger und Daniel Haffmans 2004 noch mal ganz von vorn an – in den Räumen einer ehemaligen DDR-Kindertagesstätte - daher auch der Name „Mykita“.

Wie?

Der Flagshipstore des Labels wurde Ende 2007 eröffnet, auch er liegt in einem alten Ost-Plattenbau. Aus dem Erdgeschoss wurde das Volumen des neuen Ladens förmlich herausgeschnitten, als fast perfekter „Würfel“ mit einer Kantenlänge von rund viereinhalb Metern. Der Ladenraum wird durch zwei L-förmige Elemente gegliedert: Auf der eingangs gelegenen rechten Seite befindet sich ein niedriges „L“, das als Tresen und Ablagefläche dient, auf der linken Seite schließt eine hohe, L-förmige Wand den "öffentlichen" Bereich ab und dient gleichzeitig als Display für alle Brillengestelle. Ausgediente Flugzeug-Trolleys der Swiss Air wurden zu mobilen Tischen mit Ablagemöglichkeit und Stauraum umfunktioniert. Die Oberseite der Trolleys und der minimalistischen Barhocker sowie die Arbeitsfläche des Tresens sind aus massivem, vier Zentimeter dickem Eschenholz, das gesandstrahlt und mit Lauge bearbeitet wurde. Dadurch entsteht ein lebendiger Kontrast zu der ansonsten sehr cleanen Atmosphäre des Shops.

Was?

Hauptelement des Shopdesigns sind Dexion-Platten, die normalerweise als Eckverstärkungen von Schwerlastregalen eingesetzt werden. Im Mykita-Shop bilden sie als zusammengesetzte Elemente die Basis der beiden L-förmigen Gestaltungselemente. Beim genauen Hinsehen weiß man dann auch, wie die Designer – das Shopkonzept ist eine Gemeinschaftsleistung des Gründerteams - auf das „L“ kamen: Auch die Bleche sind L-förmig. Ursprünglich zur variablen Befestigung von Regalböden gedacht, halten schmale Öffnungsschlitze die Brillengestelle. Veredelt wurden die Elemente durch eine Hochglanz-Lackierung in strahlendem Weiß. Zudem taugen sie gleichzeitig ebenso als Regal- und Stauraum-System wie als Arbeitstische. Sie sind preiswert, stabil und durch die edle Oberfläche trotzdem elegant. Auf der assoziativen Ebene (dünnes Metall) lässt sich auch eine Verbindung zum verkauften Produkt – den Brillen - herstellen.

Einen besonderen Stellenwert nimmt das Lichtkonzept des Ladens ein: Hinter den Metall-Displays liegen Neonröhren, die interaktiv gesteuert werden. Tagsüber sind sie nach einer pulsierenden Sequenz geschaltet. Erst durch einen dünnen Stoff, der als Streuebene fungiert, dann durch die Öffnungen der Metallscreens fällt das Licht in den Raum. Dabei werden die unterschiedlichen Zonen des Raums in verschiedenen Abständen ausgeleuchtet. Zusätzlich gibt es Spotlights auf einzelne Brillen auf dem Tresendisplay. Letztere werden nachts ausgeschaltet, der Raum wird insgesamt dunkler, gleichzeitig werden die Sensoren an der Außenseite des Ladens aktiv. Diese registrieren vorbeilaufende Passanten und reagieren mit Lichteffekten auf deren Präsenz. Die daraus entstehende „Light-Show“ soll Fußgänger zum Spiel mit dem Licht einladen – und ganz nebenbei natürlich auch den Blick auf die ausgestellten Brillen lenken. Link to external page